Geschichte

Das heutige Paraguay gehörte in vorkolumbianischer Zeit zum Siedlungsgebiet der indigenen Stämme der „Guarani“ (übersetzt = „Krieger“) zwischen dem Rio de la Plata und dem Orinoco-Delta, dem Atlantik und den Anden.

Die ersten Begegnungen zwischen Europäern und den Guarani fanden im Jahre 1524 statt. Da die Guarani durch ständige verlustreiche Kämpfe gegen das Inkareich an einem Männermangel litten, wurden die Fremden freundlich aufgenommen und familiäre Bande geknüpft.
In keinem anderen Land Südamerikas vollzog sich die Vermischung zweier Rassen mit ähnlicher Intensität wie in Paraguay.
Zehn Jahre nach diesem ersten Kontakt wurde von den Spaniern unter dem Kommandanten Juan de Salazar y Espinosa erneut eine Streitmacht von Schiffen ausgesandt, um die La-Plata-Länder zu erobern.

Sie landeten am 15. August 1537, dem Fest Mariä Himmelfahrt, im Gebiet der heutigen Landeshauptstadt. Asunción (die Hauptstadt Paraguays) verdankt diesem kirchlichen Feiertag seinen Namen „Casa Fuerte de Nuestra Señora de Santa Maria de la Asunción“ (Festung Unserer Lieben Frau, der Heiligen Maria von der Himmelfahrt).

1608 stellte der spanische König Philipp III dem Jesuitenorden das Patent zur Bekehrung und Ansiedlung der Indianer für die Provinz Guairá aus. Mit Ausdauer und durch Einfühlungsvermögen gelang es den Jesuiten binnen weniger Jahrzehnte eine stattliche Anzahl landwirtschaftlicher Großsiedlungen zu erbauen und beträchtliche Gewinne zu erwirtschaften.
In „Trinidad“, der vielleicht schönsten restaurierten Jesuitenreduktion, lässt sich auch heute noch an den Gebäuderesten gut die Struktur der Jesuitensiedlung erkennen.

1767 wurde wurde praktisch über Nacht der Jesuitenstaat durch ein Dekret des spanischen Königs aufgelöst.
Die herrschende Oberschicht in Paraguay hatte einen jahrzehntelangen Streit um die wirtschaftliche Vorherrschaft gewonnen. Sie sahen in den Padres eine Gefahr, da sich diese immer wieder gegen ihre Ausbeutungspolitik und Sklaverei gestellt hatten.

1811 wurde Paraguay in die Unabhängigkeit von Spanien entlassen und zunächst von einem Triumvirat regiert, dessen einflussreichstes Mitglied der Rechtsanwalt Dr. José Caspar Rodriguez de Francia war.

1814 ernannte der Nationalkongress Dr. José Caspar Rodriguez de Francia zunächst für 5 Jahre zum Diktator. Am 30. Mai 1816 wurde dies auf Lebenszeit verlängert. Francia‘s Ziel war, das Land zu entkolonialisieren. Dazu gehörte die Entmachtung der Kirche, die politische Abschottung und eine autarke Wirtschaftspolitik.
Francia strebte diesen Zielen unerbittlich nach, indem er die Kloster auflöste, ihre Vermögen einzog und sich selbst zum Kirchenoberhaupt ernannte. Er erließ ein Gesetz, das den Spaniern nur eine Heirat mit Guaranies, Mulatten oder Schwarzen erlaubte – ansonsten drohten harte Strafen, die nicht selten den wirtschaftlichen und sozialen Ruin bedeuteten.
Mit seiner Wirtschaftspolitik konzentrierte er sich nur auf die Binnenentwicklung, um möglichst autark von den Nachbarstaaten und europäischem Kapital zu bleiben. Dies gelang ihm hervorragend durch den Export von Mate-Tee, durch dessen Gewinne die Grundversorgung der Bevölkerung gewährleistet war.

1840-1862 übernahm der Rechtsanwalt Carlos Antonio Lopez die Führung des Landes.
Durch ein Gesetz vom 24.11.1842 hob er – zwanzig Jahre vor Abraham Lincoln – die Sklaverei in Paraguay auf. Er öffnete wieder die Grenzen zu den Nachbarländern und erreichte durch Warenausfuhren – hauptsächliche Mate-Handel - starken wirtschaftlichen Aufschwung und Reichtum in Paraguay. Er holte ausländische Spezialisten ins Land und baute die erste Eisenbahn Südamerikas.
Ebenso entstand während seiner Herrschaft die größte Armee Lateinamerikas. Paraguay galt zu dieser Zeit als das reichste Land Südamerikas.

1862-1870 übernimmt der Sohn von Carlos López, Francisco Solano López, als Diktator die Regentschaft.
Beeinflusst durch seine Ausbildung am Hof von Paris träumt er von einem großen südamerikanischen Reich unter der Führung von Paraguay. Trotz mahnender Worte seines Vaters auf dem Sterbebett treibt er Paraguay in den fast 6 Jahre dauernden „Triple-Allianz-Krieg“ (1864 - 1870) gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay. Bis heute die blutigste Auseinandersetzung auf südamerikanischem Boden.
Von den 1.377.000 Einwohnern Paraguays überlebten nur ca. 6.000 Männer, 20.000 Kinder und Greise sowie 200.000 Frauen. Die Hälfte des Landes wurde zwischen Brasilien und Argentinien aufgeteilt und es blieben nur noch die Regionen östlich des Rio Paraguay (ca. 160.000 km2) sowie die trostlosen Chaco-Regionen.

1870-1936 wechseln zahlreiche Regierungen einander ab.

1932 – 1935 wurde der Chaco Krieg mit Bolivien um vermeintliche Ölfelder geführt, welcher von Paraguay gewonnen wurde.

1936 – 1948 mehrmaliger Regierungswechsel durch Militärputsch.

1954-1989 wiederum durch einen Militärputsch kommt General Alfredo Stroessner an die Macht.
Gleichzeitig wird er auch Vorsitzender der Colorado-Partei.
Unter seiner Diktatur wurden Schulen, Krankenhäuser und Universitäten errichtet, ebenso förderte er die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes durch Straßenbauprogramme und einwanderungsfreundliche Maßnahmen. Andererseits kam es unter seiner Herrschaft auch zu unzähligen Menschenrechtsverletzungen. Er regierte mit Gewalt und Unterdrückung mit Sondergesetzen und einer ihm maßgeschneiderten Verfassung.

Im Februar 1989 leitete der relativ unblutige Putsch von General Andrés Rodriguez die Demokratie in Paraguay ein. Stroessner emigrierte mit seiner Familie nach Brasilien ins Exil und noch im Mai gleichen Jahres wurde Rodriguez mit einer Stimmenmehrheit von ca. 70% zum ersten Präsidenten nach Stroessner gewählt.

Im Juni 1992 wurde die neue Verfassung verabschiedet, die die direkte Wiederwahl des Präsidenten verbietet.

Die im Mai 1993 unter Beobachtung des früheren US Präsidenten Jimmy Carter stattfindenden ersten freien Wahlen gewinnt Juan Carlos Wasmosy.

1998 tritt Staatspräsiden Rául Cubas Grau die Regierung an, doch die Ermordung von Vizepräsident
Dr. Luis Argaña 1999 zwingt ihn zum Rücktritt.

Als Nachfolger wurde daraufhin Senatspräsident Luis Angel Gonzaález Macchi zum Staatspräsidenten ernannt. Am 27.04.2003 gewinnt der Colorado-Präsidentschaftskandidat Nicanor Duarte Frutos den Wahlkampf und übernimmt am 15.08.2003 das Amt des Staatspräsidenten.

20.04.2008 - ein historischer Sieg:
Der ehemalige Bischof Fernando Lugo hat die Wahlen in Paraguay gewonnen und beendet damit die seit 61 Jahren andauernde Regierung der Colorado-Partei, die mit Jahrzehnten der Korruption in Verbindung gebracht wird.

 

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